Präsentation des vierten Tages

Thema: UTOPIE DES RAUMS

Gruppenausstellung 2008: Kyrgyz National Museum of Fine Arts, KG-Bishkek

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In seinem Buch „Die Ordnung der Dinge“ von 1966 untersucht der französische Philosoph und Kulturhistoriker Michel Foucault, Velázquez‘ Gemälde Las Meninas, dessen Analyse er an den Anfang seines Buches stellt. Weil der Barockmaler noch dem Ordnungssystem der Repräsentation verhaftet sei, veranschauliche Velázquez‘ Gemälde lediglich die reine Repräsentation und damit die Abwesenheit des Subjekts, so Foucault. Die Utopie einer durch z.B. Zentralperspektive genormten visuellen Realität, eines klar in Raster, Quadrate und Rahmen vermessbaren Raumes, hängt somit unmittelbar auch mit der „Abwesenheit des Subjekts“ zusammen.

„Ordnung“, klare Strukturen, Raster und objektive Wahrnehmung sind in der westeuropäischen Kultur seit der Renaissance DIE zentrale Episteme der Wissenserkenntnis und der Darstellung, also der Repräsentation von Realität. Dabei hat bereits Platon in seinem Höhlengleichnis, Sokrates auf die Tatsache hinweisen lassen, dass wir uns lediglich „Idealbilder“ von der Realität basteln. Das Höhlengleichnis ist somit auch eine Metapher über die Unvollkommenheit oder eben über die Virtualität des menschlichen „Blicks“, der menschlichen Wahrnehmung.

Visuelle Wahrnehmung und die Repräsentation von Räumen kann heute nicht mehr in gerasterte Ordnungen gebracht werden, höchstens als postmodernes oder ironisches Zitat aus der Ära des blinden Vertrauens in die Mess- und Vermessbarkeit der Welt. Vielmehr müssen wir uns auf Platons Höhlengleichnis zurückbesinnen und uns auf die Vielschichtigkeit menschlicher Wahrnehmung konzentrieren: jeder Mensch nimmt seine Realität anders wahr.

Im vorliegenden Bild handelt es sich um eine visuelle Verarbeitung dieser vielschichtigen Wahrnehmung eines ganz bestimmten Raumes aus der Perspektive mehrerer Subjekte. Nicht ein Subjekt ist es, das hier von einem ganz bestimmten Standpunkt aus fotografiert und die Realität nach „vorgerasterten“ Prinzipien darzustellen versucht, sondern – wenn man so will – eine Kollektivperspektive eines genuin kollektiven Raumes – einem Stadtteil.

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